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Barbara Broers / Birgit Pauls: Datendiebe, ISBN 978-3-8370-6722-4, 156 Seiten
Penisverlängerung, Viagra & Co. - die Härtefälle
Kennen Sie das? Sie schalten den PC ein, rufen Ihre E-Mails ab und lesen in Ihrem Posteingang Betreffzeilen wie „Vier Dosen umsonst", „Doping für Ihr bestes Stück", „Unser Liebesleben ist wieder aufregend" oder auch „Probier es aus – Mann lebt nur einmal!". Dahinter verbergen sich lauter mehr oder weniger legale Anbieter von potenzsteigernden Medikamenten oder fragwürdigen Apparaturen, die „das beste Stück" des Mannes auf wundersame Weise verlängern sollen.
Wie unkompliziert ist es doch, die berühmten blauen Pillen unerkannt im Internet zu kaufen! Erspart das Versandangebot doch die Peinlichkeit, sich durch die Anwesenheit im Wartezimmer des Urologen zu outen oder – schlimmer noch – das Rezept in der Apotheke einzulösen, während die Nachbarin Müller, auch bekannt als „die wandelnde Stadtteilzeitung", direkt daneben steht.
Vielleicht möchte ja auch die Ehefrau sich und ihrem Liebsten etwas Gutes tun, bestellt die Wunder¬pillen im Internet, bezahlt schnell per Kreditkarte und legt sie ihrem Gatten zum Geburtstag rezeptfrei auf den Nachttisch.
Sie halten diese Geschichten für frei erfundene Märchen ohne jeglichen Realitätsbezug? Weit gefehlt! Seriösen Umfragen zu Folge haben 43% der deutschen Internetnutzer bereits einmal Ware bestellt, die ihnen über Spams angeboten wurde. Ganz klar: Wenn es kein lohnendes Geschäft wäre, würden kaum so viele E-Mails dieser Art verschickt werden.
Weitere bekannte Angebote sind hochpreisige Uhren, wahrscheinlich mehr oder weniger gute Fälschungen oder auch der Download von Markensoftware zu äußerst günstigen Preisen. All diese E-Mails verweisen mit einem Link auf eine Webseite – meist ohne Impressum oder Hinweise auf den tatsächlichen Betreiber, sprich: den Vertragspartner. Die Domains sind im Ausland registriert, die Absenderadressen gefälscht. Oftmals werden hier auch echte Mailadressen von seriösen Unternehmen missbraucht und zweckentfremdet.
Wem nützt es?
In jedem Fall dem Vermögensaufbau des tatsächlichen E-Mail - Versenders.
Im besten Falle bekommen Sie sogar die bestellte Ware, die allerdings oft von fragwürdiger Qualität und Herkunft ist. Bei Medikamenten besteht durch die unbekannte Rezeptur häufig die Gefahr unerwünschter Nebenwirkungen. Gerade die angeblich potenzsteigernden Mittel bestehen im gesündesten Fall aus blau eingefärbtem Traubenzucker.
Die billige Herstellung beschert den Verkäufern eine dementsprechend hohe Gewinnmarge. Reklamationen brauchen sie kaum zu befürchten, gerade in diesem Bereich besteht ein großer Peinlichkeitsfaktor – wer will sich schon damit outen, dass „es" nicht klappt? Mal ganz davon abgesehen, dass auch Traubenzucker und ein paar Mineralstoffe durchaus für einen Placeboeffekt sorgen können!
Im weitaus schlimmeren Fall werden solche E-Mails verwendet, um Schadsoftware auf dem PC des Empfängers einzuschleusen oder um an Geld, Konto- und Kreditkartenin-formationen zu gelangen. Über die Verwendungsmöglichkeiten der Konto- und Kreditkarteninformationen konnten sie bereits in den vorangegangenen Kapiteln nachlesen.
Wie können Sie sich schützen?
Natürlich schützt die sparsame Preisgabe Ihrer eigenen E-Mail–Adresse am besten vor Spams jeglicher Art. Sie wollen sich in einem Forum registrieren, an einem Gewinnspiel teilnehmen, aber Ihre personalisierte E-Mail–Adresse nicht öffentlich bekannt geben? Dann sollten Sie eine Adresse von einem Freemail-Anbieter (z. B. Web.de, Yahoo, Google, Freemail) nutzen! Achten Sie darauf, keine Namensangaben wie max.mustermann@web.de zu verwenden, eine anonyme Variante wie maerchenstun-de@yahoo.com schützt Ihre Privatsphäre.
Von Providern vergebene E-Mail-Adressen, die aus einer Zahlenkombination vor dem @ bestehen und vom Nutzer personifiziert werden können, sind potentielle Kandidaten für den Spamversand. Den Versendern der Spams ist der Aufbau dieser Adressen bekannt. Sie er-stellen maschinell E-Mail Adressen mit allen möglichen Zahlenkombinationen des Providers und versenden ihre Spams an diese Adressen. Auf diese Art wurden die Kunden von T-Online vor einigen Jahren einmal sehr massiv mit Spams beglückt.
Eine strafrechtliche Verfolgung ist bei dieser Art von Spam besonders schwierig, da der Absender meist verschleiert ist und damit der Urheber dieser Mail nur schwer oder gar nicht zu finden ist.
Weitere Vorsorgemaßnahmen sind ein gut funktionierender Spam-Filter und eine aktuelle Virensoftware. Die als Spam deklarierten E-Mails in Ihrem Spam- oder Junkfilter sollten aber immer wieder einmal grob überflogen werden, falls versehentlich eine erwünschte Mail im Spam-Filter landet.
Oft bieten Versender von Spams einen Link an, mit dem Sie die Zusendung von E-Mails abbestellen können – verwenden Sie Links dieser Art in keinem Fall! Dieser dient dem Absender nur zur Verifikation Ihrer E-Mail Adresse. Durch Ihre Antwort weiß er, dass es sich hier um eine aktuelle und aktive Adresse handelt – Grund genug, sie munter weiter für den Spamversand zu nutzen oder sie sogar anderen Spam-Versendern zum Kauf anzubieten.
Detailinformation zu: »Datendiebe«
Seiten: 156 Seiten
Sprache: Deutsch
Erschienen: Oktober 2008
Verlag: Books on Demand GmbH
Autor(en): Broers, Barbara / Pauls, Birgit
ISBN-10: 383706722X
ISBN-13: 978-3-837067224
Beilage(n): Paperback
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